kostenlose Gründungshilfe für Kunst- und Kulturschaffende

Folgendes lese ich gerade im Newsletter des Deutschen Kulturrats:Gründungshilfe für Kunst- und Kulturschaffende: Neues Regionalbüro der "Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft" für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland vorgestellt

Ab sofort können sich Kunst- und Kulturschaffende aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kostenlos über Unterstützungs- und Förderangebote informieren: In Frankfurt wurde heute das sechste von insgesamt acht Regionalbüros des bundesweit tätigen "Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft" vorgestellt.

Das Büro bietet vor Ort individuelle Angebote wie Orientierungsberatungen und unterstützt die regionale Vernetzung der Akteure. Neben der Beratung in Frankfurt selbst gibt es auch regelmäßige Sprechtage in Gießen, Ginsheim-Gustavsburg, Kassel, Koblenz, Mainz, Saarbrücken und Trier.

lesen Sie weiter unter:
http://www.kulturportal-deutschland.de/kp/artikel.html?artikelid=3988

Quelle:
http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KuK/Navigation/Aktuelles/pressemitteilungen,did=346462.html

 

Das ist doch mal eine schöne Nachricht! Bitte diese Einrichtungen nutzen, nutzen, nutzen!

 

Rolf Jahncke ist gestorben

 

Wie ich eben gehört habe, ist einer der großen Streiter für die Verbesserung des Künstlerlebens in Deutschland tot: Rolf Jahncke wirkte am Aufbau der Künstlersozialkasse mit, war der erste ZBF-Musical-Vermittler und hat sich bis kurz vor seinem Tod aktiv für Verbesserungen beim Arbeitslosengeld II für Schauspieler eingesetzt.

Mein erster Kontakt mit ihm war in der Ausbildung, wo er mir wie kein anderer anhand des Gedichts "Der Mond ist aufgegangen" die Unterschiede zwischen einem Autor und einem Dichter deutlich machte. Eine unvergessliche Stunde. Später hatte ich durchaus meine Differenzen mit ihm - manchmal war er etwas selbstherrlich, pathetisch, knorrig. Aber dabei hatte er immer ein großes Herz für die Künstler und die Kunst. Am Ende seines Lebens war er trotz zahlreicher körperlicher Beeinträchtigungen immer mit dabei, wenn es um "gute Sprache" oder die Verbesserung der Situation von Schauspielern ging. Und er war - das bewundere ich ja sehr bei alten Schauspielern - stets auf der Suche nach Neuem und bereit zu lernen, sich damit auseinanderzusetzen, ohne seine Erfahrungen und Werte dabei aus den Augen zu verlieren.

Seine Urnen-Beisetzung findet am Do., den 24.06.2010 um 11 Uhr in der Kapelle 9 des Ohlsdorfer Friedhofs statt.

Er hat mich als Mensch berührt. Ich wünsche ihm eine gute Reise.

 

Super Idee: Performing Politics Workshop

 

 

Das Internationale Sommerfestival Hamburg und die Universität Hamburg (Professur für Theaterforschung / Performance Studies) veranstalten in diesem Jahr mit Förderung der Körber-Stiftung erstmals eine Internationale Sommerakademie.

Die Sommerakademie bietet 30 angehenden Künstlern und fortgeschrittenen Studierenden von Studiengängen mit dem Ziel einer Tätigkeit im Bereich des Theaters, der Bildenden Kunst oder der Performance Art die Möglichkeit, im Rahmen des zehntägigen Programms drei dreitägige Workshops zu besuchen. Die Workshops werden von sechs Künstlern des Festivals gemeinsam mit sechs dafür eingeladenen Theoretikern geleitet.

Die Kosten für das gesamte Programm mit Verpflegung und Eintritten bei gemeinsamen Theaterbesuchen betragen lediglich 100 Euro! Und zusätzlich werden noch 15 Reisestipendien in Höhe von 200 Euro vergeben. Also hin da, wer im August Zeit hat und sich für Politik <-> Theater interessiert: www.performing-politics.de

Bis 15.06. kann man sich bewerben. Viel Spaß.

 

 

Nicht gefunden

Heute wollte ich jemandem einen tollen Schauspiellehrer empfehlen. Weil ich keine Kontaktdaten von ihm parat hatte, habe ich seinen Namen zuerst bei theaterjobs eingegeben und danach gegoogelt. Aber leider hatte der Kollege

- weder ein Theaterjobs-Profil

- noch eine Homepage

- und auch keinen Blog

- bei Facebook, Xing und Consorten tauchte er auch nicht auf.

Also habe ich einen anderen Schauspiellehrer empfohlen. Der hatte eine tolle Seite, die man sofort finden konnte, professionell gestaltet, mit allen wichtigen Infos.

Meistens bekommt man es gar nicht mit, was für Folgen es hat, wenn man nicht im Internet vertreten ist. Und man bekommt es auch nicht mit, wenn man im Internet schlecht vertreten ist. Deshalb nochmal die Bitte an alle Kollegen: sorgt dafür, dass Ihr professionell und effektiv im Internet vertreten seid. Man sollte die Präsenz, die Ihr von Euch darstellen wollt, sofort finden, wenn man bei den Suchmaschinen Euren Namen eingibt. Dann können "Sympathisanten" Euch auch empfehlen…

 

 

Stadttheater retten?!?

 

Bei uns trifft im Moment täglich eine Anfrage zur Rettung eines Theaters ein. Erst Wuppertal, dann das Schleswig-Holsteinische Landestheater, jetzt Essen. Und ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie wir das unseren Mitglieder noch begreiflich machen sollen. Man kann ja nicht täglich eine Unterschrift für ein neues, in Not geratenes Theater leisten - oder wöchentlich an Protestmärschen teilnehmen.

Bei mir drängt sich die Frage auf, wie es dazu kommen konnte, dass die Theater in diese Lage geraten sind. Und ich denke, es liegt an der Grundstruktur. Soll heißen: das Stadttheatersystem ist ein Dinosaurier. Es passt nicht mehr in diese Welt. Es muss aussterben. Wir können es nicht retten. Und Schuld daran sind die Politiker, die Intendanten und der Deutsche Bühnenverein sowie der GDBA.

Die Politiker tragen die Schuld daran, dass in Deutschland die Kulturzuschüsse noch immer "freiwillige Leistungen" sind, und damit als erstes gestrichen werden, wenn es brennt. Das hätte man auch dadurch ändern/abmildern können, indem man Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz geschrieben hätte. Hat man aber nicht (danke, CDU). So kommt es, dass man am Theater zwar noch Geld für die Tariferhöhungen der Administratoren hat (haben muss), aber sich die Künstler nicht mehr leisten kann. Ergebnis: ein gut verwaltetes Haus ohne Darsteller. Leider kommt kein Zuschauer ins Haus, um sich die reibungslos funktionierende Teamarbeit der Verwaltungsangestellten anzusehen…

Der Deutsche Bühnenverein hätte diese Entwicklung schon vor Jahren voraussehen müssen und für die Stadttheater Konzepte zur Anpassung entwickeln müssen. Statt immer nur zu versuchen, das Bestehende zu bewahren und zu protestieren, wenn sich etwas verändert, hätte man die Politik zum Dialog auffordern müssen, um innovative Ideen - vielleicht erstmal als Modellversuch - umzusetzen, um die Qualität des Stadttheatersystems und die soziale Absicherung der Beschäftigten hinüberzunehmen in eine neue Ebene. Das kann man aber auch genauso der Theatergewerkschaft GDBA vorwerfen, die in den letzten Jahren nur noch beobachtet hat, anstatt zu handeln. Und kritisiert und lamentiert hat, anstatt Neues ins Gespräch zu bringen. Niemand hat innovative Ideen wie z.B. Darsteller-Zeitarbeit oder En-Bloc-Bespielung ausprobiert. Aber vielleicht kann man das von alten Herren, die alle über 70 sind und ihr Leben lang erfolgreich im alten System verbracht haben auch nicht erwarten.

Viele Intendanten kümmern sich natürlich lieber um ihre persönliche Karriere als um das deutsche Theatersystem. Gerade die jüngeren Intendanten an kleineren Häusern haben sich in ihren Bewerbungsgesprächen von der Politik zu allem überreden lassen bzw. allem zugestimmt, um den Job zu bekommen. Ganz nach dem Motto: "Wenn ich erstmal drin bin, dann wird es schon nicht so schlimm werden - und ich bin dann ja auch bald wieder weg an einem größeren Haus. Ich schaffe das schon."

Und so ist in den letzten Jahren nichts passiert - außer ein bisschen Kosmetik. Aber Kosmetik hilft nichts gegen das Aussterben. Und so werden wir uns wohl darauf gefasst machen müssen, dass es in Deutschland bald hauptsächlich Bespieltheater gibt. In Städten wie Wuppertal, Flensburg, usw. wird es dann ein schönes Theater mit einem sehr interessanten Programm von verschiedensten Ensembles und Genres geben (wie jetzt schon z.B. im Forum Leverkusen bzw. im Theater Itzehoe) - auch die lokale Laientheaterszene wird nicht mehr zu kurz kommen. Feste Orchester bzw. Schauspiel-, Ballett- und Opernensembles wird es nur noch in den Metropolen geben. Wenn man große Oper sehen will, muss man dann eben nach München, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Berlin, Hamburg oder Nürnberg fahren. Ansonsten wird es viele Ensembles geben, die durch Deutschland touren. Diese Ensembles werden bestimmt sehr gut sein: sie sind aufeinander eingespielt und jeweils für das Stück ausgesucht. Für die Zuschauer könnte es dadurch sogar noch interessanter werden, als bisher: sie sehen viel mehr verschiedene Künstler, verschiedene künstlerische Ansätze, Genres, Ideen. 

Wer sind die Verlierer? Die Theaterschaffenden und das Bildungsbürgertum. Die Theaterschaffenden, weil sehr viele von ihnen - besonders die Orchestermusiker - auf ganz viele soziale Errungenschaften wieder werden verzichten müssen. Keine 8 Dienste mehr pro Woche bei Festanstellung, sondern ein Leben zwischen verschiedenen Orchestern, Unterricht geben und Akquise. Keine Zeitverträge mehr mit einer befristeten Sicherheit, sondern das Springen von Produktion zu Produktion. Kein Wohnsitz mit Arbeitsplatznähe, sondern dauerndes, familienfeindliches Touren. Aber auch die Bildungsbürger in kleineren und mittleren Städten werden leiden: denn die Künstler kommen in solche Städte nur noch als Tour-isten und schlafen die Nacht im Hotel. Am nächsten Tag geht es weiter. Das bedeutet: kein qualitativ hochwertiger Musik- oder Tanzunterricht mehr für den Nachwuchs in Wuppertal und Flensburg. Keine Kaminfeuer-Lesungen und Diskussionen mit den gewohnten und hochgeschätzten Künstlern aus dem eigenen Theater. Kein ästhetischer Diskurs mehr mit Hausregisseuren - und natürlich kein regionaler Bezug mehr in den Stücken, die dann im Bespieltheater aufgeführt werden. Ach so: und die GDBA und den Deutschen Bühnenverein wird es dann auch leider nicht mehr geben.

Summa summarum muss ich sagen, dass ich mich vor der kommenden Entwicklung nicht fürchte. Aber ich freue mich auch nicht auf sie. Ich glaube, es handelt sich um einen Stadttheater-Tsunami. Wir müssen acht geben, er kommt. Und schon einmal einen Plan B haben, wenn wir unten am Strand wohnen. Denn wenn er kommt, dann laufen wir. Weil: wer sich einem Tsunami in den Weg stellt, ist weg. Und dann kommen wir wieder, wenn er gewütet hat. Und gucken, was noch da ist. Und bauen das auf, was noch zu retten ist - und schaffen ansonsten Neues. Denn eines ist für mich klar: nur weil das Stadttheatersystem gerade von der Politik (und vielleicht ja auch von den Bürgern) zerstört wird, wird das Theater nicht kaputt gehen. Es wird immer und immer und immer weiterleben. Menschen brauchen nämlich Theater. Deshalb.